MONDORA

Die Liebe und die Leiden des Atheisten Dr. Benjamin Lhost

 

Lesen mit Gewinn und Vergnügen!

Nicht nur –
Gute Unterhaltung, Spannung bis zur letzten Seite und die Begegnung mit ungewöhnlichen Menschen

sondern auch –
Kritik an Fundamentalismen aller Art, Philosophie von der heiteren Seite sowie Liebe – die tiefe und anrührende Beziehung zweier junger Menschen.

 

Niemand weiß zu sagen, woher der Name dieses Bergnests inmitten einer mediterranen Gebirgsregion abzuleiten ist. Bedeutet er „Berg des Goldes“ oder „Welt des Gebets“? Fest steht jedoch, dass Mondora den Anschluss an die Gegenwart sowohl wirtschaftlich als auch im vorherrschenden Denken und Glauben total verpasst hat. So soll die Stadt nach einem alten Volksglauben, dem man noch immer anhängt, zum Ausgangspunkt des Jüngsten Gerichts werden, wenn Jesus am Palmsonntag auf einem Esel reitend vor ihrem mittelalter-lichen Tor erscheint. Und dieses Ereignis trug sich vor wenigen Jahren tatsächlich zu – allerdings war es nicht Jesus, der den frenetisch jubelnden Einwohnern von Mondora auf dem Grautier entgegen kam, sondern der bei einer Bergtour verunglückte Benjamin mit einem gebrochenen Bein, den ein hilfreicher Schäfer aufgelesen und zur Erstversorgung auf seinem Esel in die nahe gelegene Stadt transportiert hatte. Ein Vorgang, aus dem sich nicht nur eine allseits anrührende Liebesbeziehung zwischen dem promovierten Biologen und Fernsehschaffenden Benjamin Lhost und der Apothekerstochter Carla entwickelte, sondern auch ein für Benjamin und seine Freunde lebensbedrohlicher Konflikt mit der „geistlichen Führung“ Mondoras in ihrer peinlichen Verbindung zur regionalen Mafiaorganisation.

 

 Ein Roman

sollte vor allen Dingen unterhaltend sein und dabei sprachlich sowie erzählerisch wesentliche Voraussetzungen erfüllen. Wenn er darüber hinaus aktuelle Gegenwartsprobleme aufgreift, Einsichten anregt und bis zum Ende spannend bleibt, dann wird man ihn schließlich mit Gewinn zur Hand genommen haben.

Der Roman ‚Mondora’ umreißt zusätzlich eine Denkungsart, die sich gegen jeden weltanschaulichen Fanatismus richtet. Im Kleinen, quasi in der Retorte, werden hier Auswüchse der Intoleranz geschildert, die im weltweiten Großen nach wie vor zu leidvollen Konflikten im menschlichen Zusammenleben führen.

Dass die Liebe von Carla und Benjamin dazu einen Kontrapunkt bilden kann, verleiht der Handlung des Buches trotz allem sehr optimistische Momente.

 

Philosophie –

Ist die Auseinandersetzung mit dem ganz gewöhnlichen Alltag,
ist Ursachen und Zusammenhänge erkennen,
ist in die Zukunft und in die Vergangenheit denken,
ist das menschlichste aller Interessengebiete.

Philosophie ist die Kunst, das Leben zu meistern
und sein Ende zu akzeptieren.

 

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Eine Leseprobe

Sie gingen nach links in das Seitenschiff und kamen zu einer nach unten führenden Wendeltreppe, wo Oppental stehen blieb und vorschlug: „Es ist vielleicht besser, wenn Sie hier erstmal warten. Ich werde in der Krypta Licht machen, und dann können Sie gefahrlos nachkommen.“ Was er Licht nannte, erwies sich oben an der Treppe als ein nur dürftiger Schein, so dass Benjamin eher tastend als sicher die steinernen Stufen, eine nach der anderen, hinunter hüpfen musste. Zum Glück gab es einen geschmiedeten Handlauf, an dem er sich festhalten konnte, während er sich links nicht nur auf seine Krücke stützte, sondern die andere noch dazu umständlich festhielt. Fünfzehn Stufen musste er so bewältigen, ehe er unten war, und dort stand Oppental neben einem klotzigen Sarkophag und meinte: „Vielleicht hätte ich Ihnen die zweite Krücke besser abnehmen sollen“, was Benjamin mit einem Grinsen und der Bemerkung „es ging ja“ quittierte. „Das ist er also, der berühmte Ferdinand“, setzte er gleich hinzu, „oder besser gesagt – was von seiner Sterblichkeit Zeugnis gibt. Die Unsterblichkeit lebt ja wohl immer noch in Mondoras Köpfen und Ritualen, sattsam wahrnehmbar bis auf den heutigen Tag.“ – „Ich kann Ihren Sarkasmus durchaus nachvollziehen, da bin ich nach den jüngsten Entwicklungen hier auch vollkommen bei Ihnen“, antwortete Oppental ohne jeden Anflug von Humor und legte seine Hand wie beschützend auf den Sarkophag, „immerhin hat er unserer Gemeinde in gewisser Hinsicht Zusammenhalt gegeben und sich für den Glauben stark gemacht – man mag dazu stehen, wie man will.“ – „Der Sarkophag ist aber barock“, versuchte Benjamin das Gespräch wieder an ein Ufer der Unverbindlichkeit zu lenken, „wenn ich da recht informiert bin, starb er doch schon zur Zeit der Hochrenaissance?“ – „Nun ja, oben in der Kirche gibt es ja noch die ursprüngliche Grabplatte, zirka hundert Jahre älter als das hier. Man hat die Gebeine Ende des siebzehnten, oder gleich am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts – genau ist das leider nicht mehr festzustellen – hierher umgebettet. Wahrscheinlich waren die Grafen Arno-Fremont inzwischen zu Geld gekommen, dass Sie sich diesen Luxus für ihren erlauchten Vorfahren leisten konnten.“ – „Sie meinen durch die Steinbrüche?“ – „Wohl in erster Linie.“ – „Das hier ist weißer Marmor, stammt also nicht aus der Gegend?“ – „Eben, das war ja der Luxus. Aber wollen wir nicht doch besser weitergehen? Sonst wird es tatsächlich etwas spät.“

„Moment bitte noch!“ sagte Benjamin und betrachtete die Steinmetzarbeit auf dem seitlich gewölbten Deckel des Sarkophages. Ein ovales Wappen, zwei Handspannen breit und wahrscheinlich nach dem Prinzip des goldenen Schnitts entsprechend höher, zeigte ein springendes Pferd vor einem Pflug. Umrahmt war es von einem bemerkenswert schön gearbeiteten Lorbeerkranz, der von vier aufgestützt liegenden Putten gehalten wurde. Aus der unteren Mitte des Kranzes – und das war es, was Benjamins besondere Aufmerksamkeit in Anspruch nahm – ragte schräg nach oben ein schlichtes Marmorkreuz, dem man nicht ansehen konnte, ob es mit dem gesamten Deckel aus einem Stück gearbeitet oder nachträglich hinzugefügt wurde. „Tolle Arbeit!“ urteilte Benjamin anerkennend und nickte Oppental zu, der das Lob anscheinend befriedigt aufnahm und mit den Worten „Ja, da muss man ein Auge für haben“ zu einer schweren Eichentür im Hintergrund des Raumes weiterging. Benjamin konnte gerade noch wahrnehmen, dass sich an den Wänden der sonst leeren Krypta ein gutes Dutzend weiterer Epitaphe befand; folglich schritt man hier über die Gräber der Familie Arno-Fremont, die Mondora, obwohl längst ausgestorben, in der von Benjamin angemerkten Weise – man mag eben dazu stehen, wie man will – noch heute beherrscht.

„Keinen Schreck kriegen!“ sagte Oppental, als er die Eichentür aufgeschlossen und geöffnet hatte. Wohl des Effekts wegen schaltete er zuerst das Licht in der Krypta aus, so dass sie für einen Moment im Dunklen standen, ehe der sich anschließende Raum von einem eigenartig grünlichen Dämmerschein erfüllt wurde. Was für ein Raum! In einer aus dem Fels geschlagenen Kaverne von den Ausmaßen eines kleineren Saales standen rings an den Wänden deckenhoch ragende Regale, die mit sorgsam aufgeschichteten Schädeln angefüllt waren. In den Hohlräumen dazwischen steckten Oberschenkelknochen, die dem makabren Arrangement dekorative Symmetrie und wahrscheinlich auch Festigkeit verliehen. Auf den Stirnknochen der Schädel konnte man die Namen, Geburts- und Sterbedaten lesen, in liebevoller Kalligraphie geschrieben und oft noch mit einem gemalten Blumendekor verziert, aber überwiegend schon verblichen, nur auf einigen, im Vordergrund der Regale, noch deutlich frischer. Die Stätte des mondoranischen Totenkults also, aus der Raumnot, oben auf dem Berg, entstanden und in ihrer Art gewiss eine Besonderheit. Es roch modrig. „Eindrucksvoll!“ gab Benjamin in verständlicher Faszination von sich, „wirklich eindrucksvoll! Und wann wurde damit begonnen – ich meine, ist schon mal festgestellt worden, aus welcher Zeit die ältesten Schädel stammen?“ – „Aus dem vierzehnten Jahrhundert, soviel man weiß. Damals wurde auch Mondora von der Pest heimgesucht; die Leute starben zuhauf, und der Friedhof war zunächst ein einziges Massengrab. Die Schädel, die man beim Aufgraben noch fand, wurden hier zusammengetragen; der Raum diente vorher als Zufluchtstätte bei feindlichen Angriffen. Im weiteren Verlauf der Pestepidemie hat man die Leichen dann wohl auch verbrannt, weil das Fassungsvermögen der Friedhofserde ja nur begrenzt war. Ungefähr aus der Zeit danach, als das Leben allmählich wieder Normalität gefunden hatte, datiert wahrscheinlich der hier zu sehende Totenkult. Zum Leidwesen der Mondoraner werden sie im näheren Umland deswegen auch als ‚Knochensammler’ verhöhnt. Das aber nur – falls Sie den Ausdruck mal hören, und natürlich ganz nebenbei. Können wir jetzt weitergehen?“ Benjamin nickte nur und folgte Oppental durch eine gegenüber liegende Tür, von der aus sie einen kurzen Gang erreichten, an dessen Ende eine Treppe ziemlich steil nach oben führte.

„Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen Ihre zweite Gehhilfe ja abnehmen“, bot sich Oppental an, und Benjamin war das durchaus recht. Auch hier gab es zwar einen Handlauf, an dem er sich hochziehen konnte, aber ein Blick nach oben zeigte, dass ihm eine erhebliche Anstrengung bevor stand, und da war es schon besser, sich rechts ungehindert aufstützen zu können. Das nur noch kurze Stück Felsengang war im Treppenbereich bereits wieder Mauerwerk; allein schon das ein Hoffnungsschimmer, aus der Totenstätte nun doch allmählich in die Sphäre behausten Lebens zurückzukehren.

Oppental öffnete oben eine Tür und schaltete das Licht eines mehrarmigen Deckenleuchters ein. Sie befanden sich bereits im Entree der Kantorei, ein ehrwürdig alter Raum mit weiß getünchten Wänden unter einer dunklen Kassettendecke, antiker Standuhr und zwei lederbespannten Holzsesseln auf geschwungenen und x-förmig gekreuzten Beinen. Außerdem gab es noch zwei Noten- und einen Garderobenständer links neben der barocken Eingangstür, und in der Mitte einen wuchtigen Eichentisch. Nur auf der rechten Seitenwand befand sich ein großes und sehr dunkles Gemälde mit schwerem Goldrahmen, das mehrere Figuren in Renaissancegewändern mehr ahnen als sehen ließ, ansonsten waren die Wände schmucklos, so dass sich die Aufmerksamkeit des Betrachtenden ganz auf das anscheinend recht kostbare Mobiliar konzentrierte. „Ja“, sagte Oppental und gab Benjamin die Krücke zurück, „was Sie hier sehen, steht nicht erst seit meiner Amtszeit da. Schon einige meiner Vorgänger sollen in diesem Raum Kammermusikabende veranstaltet haben; da gibt es ein paar handschriftliche Bemerkungen auf alten Notenblättern und so.“ – „Und heutzutage – musiziert man hier immer noch?“ – „Sehr selten, und mehr vielleicht zum eigenen Vergnügen, wenn mich hin und wieder zwei Studienkollegen von unten, aus der Stadt, besuchen kommen. Leider ist einer der beiden seit längerer Zeit durch Krankheit ziemlich beeinträchtigt. Wir waren ein nicht ganz schlechtes Klaviertrio, das heißt – mit meinem Klavichord, das dann hier hergebracht wurde. Aber kommen Sie, wir müssen ja keine Wurzeln schlagen. Wollen Sie Ihre Jacke wieder ablegen? Ist vielleicht bequemer beim Sitzen.“ Nachdem sich Benjamin seines Blousons entledigt und Oppental den zum Kleiderständer getragen hatte, gingen sie, der Gastgeber voraus, links durch eine ebenfalls dunkle Flügeltür in einen Korridor, von dem aus man nicht nur in mehrere Räume, sondern über eine geschwungene Holztreppe auch in das obere Stockwerk zu gelangen schien. Zu seiner Erleichterung musste Benjamin da nicht auch wieder hinauf turnen.

Ein knappes Dutzend Porträts – teils in Öl, teils Fotografien – und eine schmiedeeiserne Konsole, auf deren Glasplatte stapelweise Zeitungen lagen, daneben eine Stehlampe mit Pergamentschirm waren das sparsame Inventar dieses Korridors. „Alles meine Vorgänger“, erklärte Oppental und öffnete die letzte Tür, gegenüber der Treppe, zu einem Zimmer von unvermuteter Größe. Er betätigte einen zentralen Schalter neben dem Eingang, und mehrere Lichtquellen in angenehmem Arrangement beleuchteten auf den ersten Blick nur Bücher. Bücher an den Wänden bis unter die Decke, Bücher und Notenhefte auf einem Schreibtisch schräg vor den beiden Fenstern zum nächtlichen Seitenflügel des Schlosses hin, ein paar Stapel sogar aufgeschichtet neben drei Ledersesseln, die um einen großen aber niedrigen, runden Glastisch gruppiert waren. Danach erst fiel Benjamins Blick auf das im rechten Winkel zum Schreibtisch stehende Klavichord und auf ein Harmonium, das auf der linken Längsseite in die geschlossene Bücherwand integriert war. Oppental ging herum und zündete mehrere Kerzen, drei davon auf dem Glastisch, an und forderte dabei Benjamin auf, einfach einen der Sessel auszuwählen und es sich bequem zu machen. „Ich will nur noch den Wein holen“, sagte er, „der ist schon bereit gestellt. Wenn Sie wollen, können Sie aber auch einen Blick auf meine paar Bücher werfen, die sich im Laufe der Jahre hier angesammelt haben. Fühlen Sie sich ganz wie zuhause.“ Benjamin fiel auf, dass Oppental ihn dabei kaum ansah, sondern wie von einer inneren Unruhe getrieben, noch einmal herum ging und abgebrannte Streichhölzer einsammelte, die er zuvor in die unteren Schalen einiger Kerzenhalter gelegt hatte.

Auch als er den Raum verließ, und Benjamin noch immer neben der Tür stand, waren Oppentals Augen ganz auf die Streichholzreste in seiner Hand fixiert, ehe er, ohne noch etwas zu sagen, die Tür hinter sich zuzog. ‚Wie seltsam – seltsam introvertiert, bei allem sonst polternden Gehabe’, dachte Benjamin, und auf seiner Stirn bildeten sich grüblerische Querfalten. In seinem Gastgeber schienen ihm wenigstens zwei Persönlichkeiten vereinigt, die permanent miteinander um Vorherrschaft rangen. Er musste tief Luft holen, und indem er sich langsam zu der Sitzgruppe bewegte, weil er sich nach der Anstrengung des Weges doch etwas mitgenommen fühlte, überlegte er, aus welchen Faktoren das schizophrene Wesen Oppentals zusammengesetzt war. Da gab es einerseits den betont lauten Alphamenschen, dessen Vorstellungen und Aussagen unbedingte Dominanz beanspruchten, andererseits aber kam auch immer wieder der konziliante, manchmal fast anbiedernde Typus eines sich selbst unsicheren Schöngeistes zum Vorschein, der einem fast leidtun konnte. Jedenfalls war Benjamin einem derart skurrilen Menschen kaum jemals zuvor begegnet.

Er wählte den Sessel, wo er in Blickrichtung auf das Klavichord sitzen konnte. Dabei fiel ihm ein zweitüriger Kasten auf, der in die Bücherreihen neben der Tür eingepasst war. Darüber, vor mehreren tiefer zur Wand hin gerückten Büchern, befand sich, nicht sehr auffällig – ‚nun sieh mal an’, dachte Benjamin schmunzelnd – eine Zimmerantenne.

Auf beiden Seiten der Fenster hingen, zusammen geschoben, schwere, brokatartige Vorhänge. Zwischen Fenster und Klavichord hatte eine erleuchtete Stehlampe, ein Zwillingsstück von der im Korridor, ihren idealen Platz, um die Tastatur des Instruments von hinten zu beleuchten. Zusätzlich gab es aber noch eine kleine Stablampe, die oben am aufgeklappten Notenpult befestigt war. Dann endlich kam auch Oppental wieder zurück und brachte einen Korb mit, in dem sich eine Weinflasche, zwei Kristallgläser und eine Schale mit Nüssen und diversem Salzgebäck befanden. „Es hat leider etwas länger gedauert“, sagte er und gab sich geschäftig beim Aufstellen der mitgebrachten Dinge und beim Eingießen des Weines. „Der Keller liegt, müssen Sie wissen, etwas vertrackt von hier und ist nur von der Küche her erreichbar. Na dann: Prost erstmal!“ Auch Benjamin prostete ihm zu und erklärte: „Ich muss mich jetzt aber doch noch einmal bedanken, dass Sie mich aus meiner Klosterzelle entführt haben. Wirklich schön ist es bei Ihnen; man kann sich wohl fühlen.“ – „Das war ja auch beabsichtigt“, sagte Oppental nun doch mal lächelnd, stellte sein Glas ab und ging zum Klavichord, wo er mehrere Notenblätter auf dem Pult anordnete, sich setzte und ohne weiteren Kommentar die Goldberg-Variationen zu spielen anfing.

Die einleitende Aria, ein vernehmbar gewordenes Träumen, die schon immer, wenn sie aufklang, den Zauber vollkommener Harmonie auf Benjamin ausübte, wurde von Oppental – durchaus legitim leicht tänzerisch heiter, und damit der ursprünglichen Sarabande aus Anna Magdalenas Klavierbüchlein entsprechend – so musikantisch und trotzdem präzis interpretiert, dass sein Zuhörer einfach beglückt die Augen schloss und alles um sich herum vergaß. Nur noch lauschen und schwelgen, nur noch das befreiende Erleben ewig gültiger Musik genießen! – Alles, was Benjamin bisher über Oppental gedacht oder spekuliert hatte, war plötzlich, einer Phantasmagorie gleich, vom hier sinnlich Wahrnehmbaren aufgelöst worden. Auch die vielleicht um Nuancen zu stark betonte Basskonfiguration in den sich anschließenden und, jede für sich, so genial frei gestalteten Variationen, konnte wegen der sich daraus ergebenden, wieder stärkeren Bindung der Einzelstücke bei etwas gutem Willen akzeptiert werden. Und den hatte Benjamin verständlicherweise, nach seiner langen musikalischen Enthaltsamkeit. Nur hin und wieder blickte er zu dem Spielenden hinüber und wertete den gelegentlichen Eindruck, als lauschte Oppental nicht nur der eigenen Musik, sondern auch nach draußen, irgendwo hin in den vorderen Bereich des Hauses, als lässliche Marotte des Künstlers. Einmal begegneten sich ihre Blicke, wobei Oppental ihn unter dem Spielen mit einem auf das Weinglas bezogenen Kopfnicken und Spitzen der Lippen aufzufordern schien, das Trinken nicht zu vergessen. Danach konzentrierte er sich wieder auf seine Noten und kam schließlich, für Benjamin viel zu früh, zu der dreißigsten, der so berühmten wie heiteren Kraut-und-Rübenvariation, ehe er, wie üblich, mit der Wiederaufnahme der Eingangsaria endete.

Dass Oppental danach mehrere Sekunden lang in sich zusammengesunken verharrte, war bei seiner erstaunlichen Leistung nur zu verständlich. Auch Benjamin schwieg, erfüllt vom Nachklang des Gehörten. Erst als Oppental dann aufstand, den Deckel der Tastatur herunter klappte und sich mit einem Taschentuch Gesicht und Nacken abtrocknete, sagte sein Gast in ehrlicher Anerkennung: „Nun waren es doch alle dreißig! Ich frage mich allerdings, warum Sie bei diesem Talent hier in Mondora versauern. Jedenfalls kann ich nur in aller Unzulänglichkeit meiner Worte sagen, dass Sie mich damit wirklich reich beschenkt haben. Meinen ganz aufrichtigen Dank dafür!“

Oppental, anscheinend noch immer ein wenig geistesabwesend, nahm, inzwischen am Tisch stehend, einen kräftigen Schluck aus seinem Glas, so dass Benjamin sich auch hochrappelte, um ihm die Hand zu reichen. „Bleiben Sie doch um Gottes Willen sitzen“, protestierte Oppental, nun mit der gewohnt kräftigen Stimme, und setzte sich ebenfalls, wobei er, wie erleichtert, einmal tief durchatmete. „In der Tat wäre ich vor – warten Sie!“ und er schien heftig zu überlegen, „ja, inzwischen sind es schon wieder zwölf Jahre, da wäre ich fast an der St. Anna-Basilika, immerhin der zweitgrößten unserer hochwohllöblichen Landeshauptstadt, erster Organist und Chorleiter geworden. Das hat sich aber zerschlagen.“ – „Warum?“ wollte Benjamin wissen. „Weil ich zwar nach dem Vorspielen – das immerhin fast einen halben Tag gedauert hatte – von allen Juroren und Kompetenzen mit großem Lob überschüttet wurde, aber Lob ist nicht unbedingt auch immer die ehrliche Meinung. Einige der Herren votierten dann doch für einen anderen Kandidaten, der wahrscheinlich die besseren Empfehlungen auf den Tisch legen konnte. Ich hatte gar keine. Vielleicht darf man nicht aus einem hintersten Bergnest kommen und eigentlich, im Hauptberuf, Pauker sein. So ist das nun mal.“ – „Und danach haben Sie nie wieder den Versuch unternommen, sich anderweitig einzubringen, durch Konzerte oder so?“ – „Ach wissen Sie, bester Herr Doktor, dafür muss man Zeit haben. Und ewig hier vom Berg runter irgendwohin fahren, das liegt mir nicht. Vielleicht bin ich inzwischen auch zu alt dafür.“ – „Aber könnten Sie nicht, hier in Mondora, Orgelkonzerte veranstalten; soviel ich gehört habe, klingt das Instrument in Ihrer Kirche doch recht respektabel? Die halbe Provinz würde dann vermutlich hier raufpilgern.“ – „Wohl kaum“, widersprach Oppental und schaute, ziemlich gedankenverloren, bereits zum zweiten Mal auf seine Armbanduhr, „erstens spricht der enorme Anfahrtsweg dagegen, zweitens das nicht vorhandene Bewirtungs- und Übernachtungspotential Mondoras, und drittens – wie stellen Sie sich das vor? – eine kontinuierliche Programmpflege der Orgelmusik ohne Buxtehude, Bach und Händel! Das geht doch alles nicht.“

„Darüber hatten Sie ja schon mal gesprochen“, erinnerte sich Benjamin. „Übrigens – sind wir inzwischen schon im Verzug, und es wird Zeit für mich, heimzupilgern?“ – „Ach überhaupt nicht, nein!“ überspielte Oppental den Lapsus seines zur Uhr Schauens, indem er die jetzt demonstrativ betrachtete und am Handgelenk schüttelte. „Nur manchmal, wenn ich spiele, bleibt sie neuerdings stehen, weiß der Himmel warum. Stimmt das, zwölf Minuten vor eins?“ – „Genau elf Minuten vor“, bestätigte Benjamin nach einem Blick auf seinen ramponierten Chronometer. „Na dann haben wir doch wirklich noch jede Menge Zeit, um wenigstens die eine Flasche hier zu leeren. Ich würde vorschlagen, dass wir – um sicher zu gehen – solange noch beisammen bleiben, bis sich der Stadtplatz draußen entvölkert hat und keine Nachtwandler mehr in den Gassen herum rennen. Ich bring Sie dann auch wieder zurück. Einverstanden?“ – „Einverstanden“, stimmte Benjamin zu, obwohl er das erste Anzeichen von Müdigkeit gerade noch hinter der vorgehaltenen Hand verbergen konnte. Oppental schien das zu übersehen. Seine Abspannung äußerte sich bestenfalls in einer zunehmenden, leichten Nervosität, indem er mit Daumen und Zeigefinger mehrmals die Augen rieb und mit stierem, irgendwo in die Ferne gerichtetem Blick wie zwanghaft blinzelte.

„Um auf Bach und Händel zurückzukommen“, setzte Benjamin die Unterhaltung fort, „das liegt einzig und allein am hiesigen Pfarrer?“ – „Nicht nur“, antwortete Oppental, „da gibt es wohl schon eine längere Tradition hier in Mondora, protestantische Musik nicht zu spielen, die bis in die Zeit der bischöflichen Sommerresidenz zurück reicht. Einer der Herren muss da ziemlich jesuitisch, jedenfalls puristisch gewesen sein, was dann bis heute seinen Niederschlag gefunden hat; irgendwo soll es da in alten Chroniken der Pfarrei auch die entsprechende Verfügung geben – ist mir aber bislang noch nie gezeigt worden. Man muss damit leben, und ich kann damit leben. Letztlich haben Traditionen ja immer den Charakter einer gewissen Einengung, die man aber akzeptieren sollte, wenn einem das generelle Prinzip nicht widerstrebt.“ – „Und das trifft auf Sie zu?“ – „Ja selbstverständlich!“ wurde Oppental jetzt wieder richtig munter und fast ein wenig aggressiv, „was meinen denn Sie, wie es hier in Mondora inzwischen aussähe, wenn wir diesen Glauben nicht hätten? Sodom und Gomorra, wie überall – im Rathaus sitzen sie ja bereits, die Herren Kommunisten, und reiben sich ihre Händchen! Gottlosigkeit, wo man auch hinblickt in der Welt!“ – „Sie scheinen da ja umfassend informiert zu sein“, erlaubte sich Benjamin anzumerken, indem er den verborgenen Fernseher fixierte. „Man muss jedenfalls auf dem Laufenden sein, wenn man nicht ins Hintertreffen geraten will“, sagte Oppental, schnaubte hörbar durch die Nase und stierte vor sich hin. Dann schien er sich einen Ruck zu geben, und sein zweites Ich kam wieder zum Vorschein. In unangenehm süßlicher Vertraulichkeit fragte er dabei um einiges leiser: „Sie sind doch nicht etwa Kommunist?“ – „Nein“, sagte Benjamin, für Oppental wohl recht zweideutig, „im Grunde bin ich gar nichts, nicht einmal Kommunist. Ehe man sich festlegt, sollte man schon etwas länger nach der Wahrheit Ausschau halten. Schließlich werden an allen Straßenecken Wahrheiten angeboten, die sich dann nachher als übelste Bauernfängerei herausstellen.“ – „Demzufolge entweder ein Freigeist, oder ein Nihilist“, überlegte Oppental laut und schaute Benjamin in seiner bohrenden Manier in die Augen, so dass der nur mit Mühe und einem krampfhaften Lächeln dem Blick standhalten konnte. „Selbst der Freigeist endet leider mit den Buchstaben i-s-t“, versuchte er deshalb zu witzeln, „und ein kluger Mann hat mir mal gesagt, man solle sich vor jedem Eiferertum hüten, dessen Mitgliedschaft auf die Buchstaben i-s-t hinausläuft – und vor den Jesuiten, hat er noch hinzugefügt. Da wird es schwer, sich irgendwie festzulegen, meinen Sie nicht auch? Drum hab ich eigentlich immer mit Epikur geliebäugelt, aber der ist ja inzwischen auch schon etwas unmodern geworden.“ – „Nur leider nicht dadurch, dass er ein Feind jeglicher Religion war.“ – „Und jeglichen Aberglaubens. Nein, weil er Bescheidenheit und Freundschaft predigte und nur von Wasser und Brot lebte.“ – „Soll er nicht an Feiertagen auch schon mal ein Stückchen Käse gegessen haben?“ fragte Oppental und schob sich eine ganze Handvoll Knabberzeug in den Mund, um ziemlich geräuschvoll darauf herum zu kauen. „Macht das etwa seiner für damals schon erstaunlichen Grundüberzeugung, dass alle Materie aus Atomen besteht, irgendwelchen Abbruch?“ fragte Benjamin dagegen. –

Eine Zeitlang hingen beide ihren Gedanken nach, nur Oppental schaute zwischendurch wieder auf die Armbanduhr, bis er schließlich sein Schweigen mit der Feststellung beendete: „Epikur verleugnete das ewige Leben der Seele genauso, wie jedwede Vorsehung durch göttliche Allmacht. Ist das etwa auch Ihre Überzeugung?“ Und da Benjamin nicht gleich antwortete, sondern sich ebenfalls ein paar Nüsse nahm, fuhr er ungeduldig und wieder deutlich aggressiver fort: „S-D-G steht über vielen der bekannt gewordenen Autographen und Nachdrucke Johann Sebastian Bachs. S-D-G an oberster Stelle, das lateinische Kürzel der beschwörenden Widmung ‚Gott allein zur Ehre – Soli Deo Gloria’. Eine Grundhaltung gelebten Glaubens, die in überragend himmlischer Musik ihren Niederschlag fand. Ich frage mich, wie jemand, der für sich einerseits Epikur, andererseits Johann Sebastian Bach in Anspruch nehmen will, bei einem solchen Spagat innerlich nicht total zerreißt?! Ich nenne das, verzeihen Sie, Schizophrenie! Oder wie würden Sie das erklären?“

Benjamin fing an, sich nun doch einigermaßen ungemütlich zu fühlen – derlei Disput konnte er bei seiner gegenwärtigen Verfassung gerade noch gebrauchen! Carla hatte recht mit ihrer Meinung über diesen seltsamen Heiligen. Doch was sollte er machen? Was blieb ihm übrig, als in gleicher Münze herauszugeben? Deshalb nahm er noch einen Schluck Wein, weil er sich plötzlich so trocken im Hals fühlte, und sagte dann ohne weitere Rücksichtnahme: „Zum einen kommen Sie mir da mit einer philosophischen Frage, was Epikur anbelangt, zum anderen mit einer rein theologischen. Von mir aber verlangen Sie, dass ich Ihnen, halten zu Gnaden, nur so mal ganz allgemein meine Ethik erkläre – von der psychopathologischen Komponente Ihrer Frage ganz abgesehen. Gut also – jawohl, ich schätze den Beitrag beider, sowohl Epikurs, als auch den des Thomaskantors zur europäischen Kultur über die Maßen hoch ein. Ich bin auch nie der Versuchung erlegen, alles, was vor der christlichen Zeitrechnung erdacht und erschaffen wurde, als heidnisch und damit als vernachlässigenswert einzustufen. Im Gegenteil! Für mich beginnt europäische Kultur mehr als dreitausend Jahre früher; sie endet auch nicht vor den Portalen evangelischer Kirchen, genauso wenig wie vor denen jüdischer oder moslemischer Gotteshäuser. Die Frage, ob sie wirklich alle an den gleichen Gott glaubten und glauben – ein Weichspülmittel theologischer Auseinandersetzungen – will ich hier einmal beiseite lassen. Schließlich hat sich jede Konfession den Gott zueigen gemacht, den sie aus dem Fundus ihrer so genannten Offenbarungen und sonstiger Inventionen zu erkennen meinte. Dass es da gewisse Übereinstimmungen gibt, stelle ich gar nicht in Abrede. Insofern kann ich auch in Lessings Ringparabel leider nichts weiter als ein nettes, von Sehnsüchten inspiriertes Märchen sehen, dessen Kernanliegen zwar gegenseitige Achtung und Frieden waren, von denen wir aber bei genauerer Untersuchung der zurückliegenden zweitausend Jahre und trotz besten Willens immer noch Lichtjahre entfernt sind. Woran das wohl liegt?“ – Hier machte Benjamin eine Pause, trank wieder einen Schluck, und da Oppental nichts als grimmige Empörung erkennen ließ, so jedenfalls saß er, zusammengesunken, in seinem Sessel und zwirbelte das leere Weinglas am Stiel zwischen den Fingern, packte er noch eins drauf und stellte fest: „Wenn hier schon die Rede von Schizophrenie ist, dann frage ich mich, ob Sie wohl nach den paar Takten d-moll-Toccata damals zum Beichten gegangen sind, oder nicht. Denn derart himmlische Musik, wie Sie gerade noch apostrophierten, in dieser, in Ihrer Kirche erklingen zu lassen, wäre doch eigentlich schon eine Unbotmäßigkeit, wenn nicht sogar eine Sünde.“

„Ich glaube, wir sollten jetzt gehen“, knurrte Oppental und stellte sein Glas mit demonstrativer Endgültigkeit auf den Tisch zurück. „Ja, vielleicht sind wir wirklich schon ein bisschen zu müde“, wollte Benjamin noch halbwegs einlenken, aber da war der Hausherr bereits aufgestanden und hatte die Tür geöffnet.

Seine Vorgänger schauten allesamt recht ernst aus ihren Rahmen, als Benjamin im Vorbeistelzen noch einmal den Blick über ihre ehrwürdige Reihe gleiten ließ. Nur – Vorwürfe, ihren Nachfolger derart in Rage gebracht zu haben, machte er sich trotzdem keine. Schließlich ging ja die Eskalation des Gesprächs durch die überraschende und mehr als überflüssige Attacke von Oppental aus. Und der lief, vor sich hin brabbelnd und ohne noch einen Blick für seinen Gast übrig zu haben, zielstrebig ins Entree des Hauses, wo Benjamin, als auch er dort ankam, zu seiner Überraschung feststellen musste, dass der große Tisch in der Mitte des Raumes fehlte.

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Die Geschichte vom Buchhändler Schofel

Die Geschichte vom Buchhändler Schofel
oder vom Umgang mit Autoren.

Eines Tages wurde bekannt, dass das Bayerische Staatsballett mit seiner Einstudierung „Die Goldberg-Variationen“ von J.S.Bach bei uns im Stadttheater auftreten wird, vier Abende lang, und im Nachhinein kann gesagt werden: Es war eine exzellente Darbietung!
Da diese Musik auch in meinem Roman „Mondora“ eine nicht unbedeutende Rolle spielt,wandte ich mich an den hier ansässigen Buchhändler Schofel, der im Foyer des Theaters in Permanenz einen Ausstellungstisch zu stehen hat, mit der Bitte, mein Buch wegen der einschlägigen Thematik ebenfalls der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er zeigte sich sofort einverstanden, schlug jedoch vor, ihm dafür nicht nur das Buch, sondern auch einen Stapel Handzettel, so genannte Flyer, zu übergeben.
Ich ließ die Flyer drucken, übergab ihm einen Teil davon zusammen mit dem Buch, und verteilte den Rest der Zettel an entsprechenden Stellen in der Stadt. Was jedoch am Abend der Erstaufführung des Balletts im Theater nicht zu finden war, waren weder mein Buch, noch die Handzettel! Ich rief Herrn Schofel am nächsten Morgen an und erfuhr, dass er den Roman vorher noch verkaufen konnte und dann nicht mehr dazu gekommen war…
Also brachte ich ihm für den zweiten Ballettabend ein weiteres Exemplar und er holte sogar noch die Flyer unter dem Ladentisch vor mit dem Versprechen, an diesem Abend alles bereitzulegen. Wir fuhren ins Theater, aber nichts war zu sehen! Wir fuhren ein zweites Mal,während der Pause, dorthin – es blieb beim Nichtvorhandensein. So auch am dritten Abend.Die Enttäuschung am vierten und letzten Abend habe ich mir erspart, habe auch nie eine Erklärung des Buchhändlers Schofel erfahren, geschweige denn meinen Autorenanteil vom Verkauf des ersten Buches erhalten. Mehr dazu sagen kann ich nicht, weil mir da glatt die Worte fehlen. Denn schließlich will man ja nicht unhöflich werden!

 

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Bayerisches Staatsballet tanzt die Goldberg-Variationen – Romanvorstellung -

Vom 22. bis zum 25.Mai 2014 gastiert das Bayerische Staatsballett München im Stadttheater Ingolstadt mit seiner tänzerischen Darbietung der Goldberg-Variationen von J. S. Bach.

 

Höhepunkte

Auch im Handlungsablauf des Romans „Mondora“ ist der Vortrag dieses bachschen Meisterwerks durch den Organisten Oppental einer der Höhepunkte des Buches. Oppentals Angebot, die Variationen nur für Benjamin Lhost auf dem Klavichord zu spielen, konnte den Liebhaber dieser Musik trotz aller Bedenken dazu bewegen, sein Versteck vor den Verfolgungen fanatisierter Mondoraner für die Dauer eines Abends zu verlassen. -

An einer anderen Stelle führt dann Johann Sebastian Bachs d-moll-Toccata zu einem weiteren Höhepunkt des Romans, in dessen Mittelpunkt nicht nur die Liebe zweier junger Menschen steht, sondern auch die Forderung nach mehr Toleranz im gesellschaftlichen Miteinander.

Das Buch liegt während der Ballettabende im Foyer des Ingolstädter Stadttheaters am Ausstellungstisch der Buchhandlung Stiebert, Kupferstraße, zur Ansicht und Kenntnisnahme bereit.

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Herr Gauck macht Außenpolitik.

Angesichts der gegenwärtigen Situation in der Ukraine ist es eine mehr als fragwürdige Haltung, auch nur andeutungsweise die Muskeln spielen zu lassen, wie es in der Münchner Rede des Bundespräsidenten zum Ausdruck kam. Denn die offenkundige Begehrlichkeit, das Land aus der gewachsenen und verständlichen Interessensphäre Russlands herauszubrechen, ist ganz offensichtlich ein Ziel der Nato, eines Bündnisses, das den Kalten Krieg mental und in praxi noch nicht beendet zu haben scheint. Tonangebend sind dabei nach wie vor die USA, ein Bündnispartner und „Freund“ Deutschlands, dessen Außenminister Kerry es in München nicht der Mühe für wert hielt, eine Entschuldigung hinsichtlich der entwürdigenden Überwachung aller Deutschen, einschließlich ihrer Kanzlerin, auszusprechen. Man würde es doch einem angeblich befreundeten Nachbarn, der einem, während man Sommerurlaub macht, die Blumen gießt und dabei im Wohnzimmer eine Wanze installiert – mit der fadenscheinigen Begründung, damit einem möglichen Einbruchsdiebstahl vorbeugen zu wollen – auch nicht so ohne Weiteres durchgehen lassen und weiterhin von Freundschaft sprechen. Herr Gauck aber macht das. Er hat ja auch bereits seinen Besuch der deutschen Teilnehmer an den olympischen Wettkämpfen in Sotschi abgesagt, redet aber von einer effizienteren und friedenserhaltenden Außenpolitik!

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Edward Snowden ein Ingolstädter?

Natürlich ist er das nicht, aber wenn man zurück blickt und die Ideale und Zielsetzungen der Ingolstädter Illuminaten ins Auge fasst, nämlich Humanismus und Aufklärung, dann wäre er damals mit Sicherheit als Ehrenmitglied dieser Vereinigung aufgenommen worden. Ingolstadt sollte Edward Snowden, einem Geistesbruder Benjamin Lhosts, Asyl gewähren!

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Das allgemeine Denken

Das allgemeine Denken

von dem die jeweils öffentliche Meinung geprägt wird, hat im Grunde einen überwiegend passiven Charakter – man schließt sich zu leicht der Mehrheitsmeinung an, ohne kritisch zu hinterfragen, ohne denkend zu agieren. So entstehen Standardüberzeugungen, klischeehafte Weltbilder, die das Individuum zum Massenobjekt degradieren. Denn es ist immer einfacher, mit dem allgemeinen Hauptstrom zu schwimmen und dabei jedes individuelle Denken als störend zu empfinden – als Angriff auf die eigene Bequemlichkeit. Wenn dieses übliche Denkverhalten zusätzlich der Überzeugung ist, die einzig „seligmachende“ Wahrheit gefunden zu haben, führt das immer wieder zur Ausgrenzung Andersdenkender, ja leider nur zu oft zu Gewaltakten gegen Minderheiten oder nicht konforme Individuen. Die Vorgänge in Mondara sind typisch für dieses Phänomen und beispielhaft für alle fundamentalistisch geprägten Aggressionen, bis hin zu mörderischen Terrorakten. Obwohl in solchen Fällen die Grundüberzeugung vertreten wird, eine historisch und kulturell gewachsene Mehrheitsmeinung verteidigen zu müssen, ist dieses Verhalten zutiefst undemokratisch, weil damit immer die Freiheit individuellen Denkens bekämpft wird, und nur die Freiheit des Andersdenkenden ist die Voraussetzung gesellschaftlichen Zusammenlebens nach demokratischen Grundsätzen.

 

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Presse – Donaukurier vom 28.05.2013 – Debüt mit 74 Jahren -

Freundliches Entgegenkommen

An anderer Stelle habe ich ja schon mal darauf hingewiesen, dass das Ichbewusstsein eigentlich nicht altert. Und wenn mich die netten Zeitungsleute vom „Donaukurier“ um einige Jahre jünger gemacht haben, dann geht das durchaus in die Richtung meines gefühlten Denkzustandes – man könnte da gut und gerne noch etliche Jahre abziehen. Der Artikel an sich gibt im Wesentlichen richtige Fakten wieder, obwohl ich nach wie vor der Ansicht bin, dass „Mondora“ mehr zu sagen hat, als nur: Da wolltesich ein halbwegs mobiler Alter den Lebenstraum erfüllen, endlich auch noch einen Roman zu schreiben. Umgetrieben haben mich da schon ganz andere Probleme, deren Lösungen im gesellschaftlichen Zusammenleben noch immer anstehen. Hier aber der Artikel aus dem „Donaukurier“:

http://www.donaukurier.de/nachrichten/kultur/Ingolstadt-Debuet-mit-74-Jahren;art598,2764237

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